You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Konzept. 33 Klein-Oktavseiten mit Bleistift, offenbar eilig, mit zahlreichen Korrekturen geschrieben. In Umschlag mit Zeichnungen von Protozoen, Radiolarien und Diatomeen und von einem Wohnungsgrundriß. Titelseite enthält nebst Notizen zur Disposition des nicht geschriebenen Teils die Aufschrift: Die Geschichte meines Gymnasialstudiums. Wien 1911 … Am 19. März, mit Willen unvollendet gelassen.
Ich werde in dieser meiner Geschichte erzählen, wie es mir im Gymnasium ergangen ist, wie das Gymnasium auf meine geistige Entwicklung, während der acht Jahre1, die ich es besuchte, gewirkt hat, fördernd und hemmend. Ich werde nicht urteilen, denn das kann ich als Gymnasiast nicht wagen, da ich ja mitten in den Kalamitäten stehe, die unzähligen Faktoren also nicht gegeneinander abwägen kann, die hier mitwirken, und ungerecht einseitige »Anklagen« will ich nicht erheben. Ich habe eine Ahnung von der unendlichen Kompliziertheit jener Kulturinstitution, die wir als Gymnasium kennen; ich habe darum eine Ehrfurcht davor, die mich hindert, vorschnell zu urteilen, ehe ich über der Materie stehe. Ich will einfach erzählen und ich bin überzeugt, es werden manche Dinge dabei klar werden, mehr neue Perspektiven sich zeigen als wenn ich »anklagte«. —
Ich habe die dritte und die vierte Volksschulklasse in einer ländlichen Schule mit »Koedukationsprinzip« besucht. Wir waren höchstens unser zwei in der Klasse, deren Eltern »hochdeutsch« sprachen, die übrigen waren Kinder von kleinsten Gewerbeleuten und von Landleuten. Es kann daher nur wenig wundernehmen, daß ich in meinen Schulerfolgen meinen Kollegen weit überlegen war und daß mich mein Lehrer als seinen begabtesten Schüler bezeichnete. Meine Eltern waren — das ist auch begreiflich — leicht davon zu überzeugen — und sie beschlossen beide bei sich, mich studieren zu lassen; bei meinem Vater spielte wohl auch die Erwägung mit, daß er als Kaufmann mit großen Verbindungen einem jungen Juristen wohl manche verlockende Lebensaussichten gewähren kö