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Alles ist Verführung — ist Verführung alles? Laplanche formuliert in den zwischen 1968 und 1988 erschienenen Artikeln des Sammelbandes, dessen Lektüre leider durch viele Druckfehler und unvollständige Referenzangaben erschwert ist, eine Theorie des menschlichen Subjektes, indem er von Freuds Verführungstheorie aus dem Jahre 1897 ausgeht, diese aber völlig anders weiterentwickelt als Freud selbst. Freud sei von perversen, pädophilen Erwachsenen ausgegangen, die Kinder verführt, somit kriminelle Handlungen begangen hätten, er sei also bei einer ausschließlich klinischen Auffassung der Perversion und damit bei der Psychopathologie stehengeblieben (S. 209-211). Zu Recht sei diese Kausalkette Verführung — Neurose aufgegeben worden, da sie durch die klinischen Fakten widerlegt sei. Freud wie auch die meisten seiner Schüler außer Ferenczi hätten das Kind dann mit dem Bade ausgeschüttet, die Verführung ganz außer acht gelassen und den Trieb in seiner Bedeutung relativiert. In Abgrenzung zu Ichpsychologie, Selbstpsychologie und Objektbeziehungstheorie bleibt für Laplanche die Sexualität Eckpfeiler der Psychoanalyse, ja, sie stellt die Wirklichkeit des menschlichen Subjekts schlechthin dar.
Der Sinn jeder Handlung liege in der Triebbefriedigung (S. 236). Wie bei Freud ist der Trieb das Fremde, das von innen her das Ich bedroht, aber auch anregt. Ebenso wie Melanie Klein integriert Laplanche den Todestrieb in seine allgemeine Triebtheorie, Freud wie Klein wie Laplanche sehen »den inneren Angriff des Triebes oder den Haß des Es auf das Ich« (S. 192). Laplanche versucht, Freud und Klein zu integrieren. Freud habe stets den »dämonischen, angreifenden, zerstörerischen Charakter der Sexualität« gesehen, außerdem komme der Trieb ja vor der Objektliebe. Melanie Klein spreche vom frühen Sadismus, den frühen bedrohlichen Objekten. Der Trieb selbst stelle dies oft dar, so daß Laplanche vom »sexuellen Todestrieb« (S. 114) spricht.
Anders als Freud und Melanie Klein widerspricht Laplanche d