You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das Konstanzprinzip durchzieht wie ein roter Faden das Denken Sigmund Freuds von den neurologischen Anfängen bis zur letzten Lehre vom Todestrieb. Wer sich dafür interessiert, was diese so eng mit der Person Freuds verbunden gebliebene Wissenschaft Psychoanalyse denn eigentlich sei — und dieses Interesse mag weniger Psychoanalytiker als Philosophen und sonst nachdenkliche Zeitgenossen bewegen —, wird stutzen.
1920 beschrieb Freud das Konstanzprinzip als »herrschende Tendenz des Seelenlebens, vielleicht des Nervenlebens überhaupt, das Streben nach Herabsetzung, Konstanterhalten, Aufheben der inneren Reizspannung«. Der Erregungszuwachs muß danach »assoziativ erledigt« werden »oder durch entsprechende motorische Reaktion ab[ge]führt«. »Denkarbeit« erscheint als Alternative zum »Abreagieren«. Die beschriebene Tendenz sei eine »Bedingung der Gesundheit«. Da »Anhäufung von Erregung« als Unlust erscheint, »Verringerung der Erregung als Lust«, ist das Konstanzprinzip eine quantitative Variante des Lustoder Lust-Unlust-Prinzips. Mit der Einführung des Todestriebs scheint das Lustprinzip »geradezu im Dienste der Todestriebe zu stehen«. Dann aber akzeptiert Freud, »daß es lustvolle Spannungen und unlustige Entspannungen gibt« und stößt auf einen »qualitativen« Charakter dieses Vorgangs. Das Lustprinzip wird zum »Wächter unseres Lebens«, gehört 1924 zu Eros. Das Konstanzprinzip, jetzt auch Nirwana-Prinzip genannt, verbleibt dem Todestrieb. In seiner letzten Schrift, im »Abriß der Psychoanalyse«, stellt Freud diese Definition aber wieder in Frage, betont den quantitativen Faktor und vergleicht das Lustprinzip wiederum mit dem Todestrieb. Auch der Begriff der »Not des Lebens« wechselt seine Bedeutung; er bezeichnet zunächst die elementaren Triebbedürfnisse, später die Forderung der Realität oder Kultur nach Triebversagung. Es kommt dann für die Frage der Gesundheit darauf an, »welchen Betrag der unverwendeten Libido eine Person in der Schwebe erhalten kann, und einen wie großen Br