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Mit Widmer Lacan zu lesen (und damit Freud weiterzudenken) hebt sich schon deshalb von den meisten anderen derartigen Lektüren vorteilhaft ab, weil dabei Fragen und Infragestellungen hinsichtlich der Psychoanalyse in ihrem therapeutischen, d.h. ursprünglichen Sinn stärker ins Zentrum gerückt werden. So gelingt
dem Autor aufgrund seines philosophischen Bildungshintergrundes und seiner offensichtlich erfahrungsreichen psychoanalytischen Tätigkeit eine glückliche Verbindung jener beiden Darstellungsarten Lacans, die von Anfang an seine Rezeption bestimmen. Denn dem Umfang und der Vielfalt ihres Gegenstandes entsprechend vollzieht sich die (immer notwendige) Interpretation des Lacanschen Werkes hauptsächlich in zwei Richtungen: Zögernd und vorurteilsbeladen (vor allem außerhalb Frankreichs und Lateinamerikas) in der einen, die von Lacan als superorthodoxem Revolutionär im psychoanalytischen Praxisfeld ausgeht, zügiger und bisweilen enthusiastisch in jener anderen, welche Lacan als eine der Säulen des Strukturalismus, als einen darüber hinausweisenden postmodernen Denker, als einen Philosophen oder als einen Kulturtheoretiker sieht oder sehen will.
Möglicherweise ist die Sowohl-als-auch-Präsentation Lacans analog zu jener Freuds ohnehin die angemessene Vorgehensweise. Denn in beiden Fällen erscheint die Psychoanalyse als jener priviligierte Ort einer Dialektik, in welcher das Allgemeine und das Besondere in spezifischer Weise aufgehoben sind. Für das Vorhaben, im Individuum das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse aufzufinden (wie etwa in der sechsten Feuerbachthese formuliert), hat Freud die Gelenksstellen und die Artikulationsmodalitäten herauszuarbeiten begonnen. Entsprechend dazu sieht auch der aus dem linguistischen Paradigma de Saussures heraus entwickelte Strukturgedanke, Grundlage des Lacanschen Ansatzes, hinsichtlich des sozialen Faktums im Erfassen des Systems und im Erfassen der Elemente eine und dieselbe Aufgabe. Daher reklamiert auch Lévi-Strauss fü