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»Es gibt Bücher, die gedruckt, aber nicht gelesen werden; meine Habilitationsschrift — umgekehrt — war nicht gedruckt, aber sie wurde gelesen […].« Jetzt ist sie gedruckt als »eine Art Zeitdokument für den Zustand der bundesrepublikanischen Philosophie zu jenem Zeitpunkt, als ihr — nach dem zweiten Weltkrieg — Freud erneut interessant zu werden begann« (S. XII). Und es ist auf die »Chance« zu hoffen, daß sie jetzt gelesen wird — auch von Psychoanalytikern. Gerd B. Achenbach, der umstrittene Gründer einer »philosophischen Praxis«, hat sich mit der Herausgabe des Buchs um die Psychoanalyse verdient gemacht.
1900, im Erscheinungsjahr von Freuds »Traumdeutung«, publizierte Husserl seine »Logischen Untersuchungen«. Husserl bekämpfte den »Psychologismus« in der Philosophie mit einer Argumentation, die, wie der Neukantianer Natorp schreibt, für den Psychologismus »wuchtig, ja vernichtend« sei (S. 13). Wie Kant für die Schulmetaphysik wurde Husserl zum »Alleszermalmer« für den Psychologismus. Die Psychologie als »Tatsachenwissenschaft« macht die »Prinzipienfrage« zur »Tatsachenfrage einer Genealogie«; aber nicht die (psychologische, historische etc.) Genese der philosophischen Erkenntnis ist philosophisch interessant, sondern ihr »Wesen«. Philosophie ist Wesenswissenschaft.
Im gleichen Jahr erhebt Freuds »Traumdeutung« den »Anspruch auf philosophische Relevanz« (S. 15). »Wenn der Traum so gebaut ist wie ein Symptom, wenn seine Erklärung die nämlichen Annahmen erfordert, die der Verdrängung von Triebregungen, der Ersatz- und Kompromißbildung, der verschiedenen psychischen Systeme zur Unterbringung des Bewußten und Unbewußten, dann ist die Psychoanalyse nicht mehr eine Hilfswissenschaft der Psychopathologie, dann ist sie vielmehr der Ansatz zu einer neuen und gründlichen Seelenkunde, die auch für das Verständnis des Normalen unentbehrlich wird. Man darf ihre Voraussetzungen und Ergebnisse auf andere Gebiete des seelischen und geistigen Geschehens übertragen; der Weg ins Weite,