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Was bedeuten Wahrheit, Erfahrung und Erkenntnis in der Wissenschaft? Dieser Fragestellung, die als Kontroverse zwischen naturwissenschaftlichen und hermeneutischen Interpretationsansätzen gerade in der Tiefenpsychologie virulent ist, geht W. A. Schelling in der vorliegenden Aufsatzsammlung nach. Ihre Themen sind fachübergreifend und weit gespannt: Sie reichen von den psychologischen und anthropologischen Deutungen der Angst über den Lebensweltbegriff bis hin zum Intersubjektivitätsproblem in der Psychoanalyse. Eine besondere Stellung nimmt dabei die Auseinandersetzung mit den Leitbegriffen »Symbol« und »Deutung« ein, über die Schelling Tiefenpsychologie und Kunst miteinander ins Gespräch zu bringen sucht. Gerade in diesen Abschnitten wird das Anliegen des Autors deutlich, »den Menschen im Spannungsfeld von wissenschaftlichen und humanen Perspektiven zu deuten« (S. 8).
Am Phänomen der Angst wird aufgezeigt, daß anthropologisch-existentielle und empirische Forschungsrichtungen einander nicht auszuschließen brauchen, wenn es gelingt, die durch den jeweiligen methodischen Zugang bedingten »Übersetzungsfehler« kritisch zu reflektieren. Dabei zeigt sich, daß das Problem von Subjektivität und Deutung aus keiner objektivierenden Betrachtungsweise herausgehalten werden kann. Denn immer »sehen wir […] jemanden, der diese Angst hat, und jemanden, der diese Angst interpretiert« (S. 21). Eine Möglichkeit, »objektive Bedingung« und »subjektive Erfahrung« wieder in einen gemeinsamen Interpretationszusammenhang zu stellen, sieht der Autor in Husserls Lebensweltbegriff. Die »subjektiv-lebensweltliche Seite des erlebenden Menschen« dürfe nicht als Epiphänomen »objektiv« rekonstruierbarer Funktionsabläufe mißverstanden werden. Vielmehr müßten »lebensweltliche Verluste«, wie sie sich in einer objektivierenden Forschungspraxis notwendigerweise ereignen, durch eine Rückvermittlung auf deren lebensweltliche Grundlagen und den subjektiven Erlebnisvollzug immer wieder ausgeglichen werden. Mi