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Mit der Frage »Was ist Realität?« hat sich Freud zeitlebens beschäftigt, ohne deshalb diese Frage in seinem Werk an jeder Stelle explizit zu formulieren. Dabei waren für Freud nicht nur Ereignisse Realität (z. B. »die Sonne scheint«), sondern auch Erlebnisse (also Reaktionen auf Ereignisse), wobei sich allerdings auch Erlebnisse wiederum als Ereignisse auffassen lassen und Wirkungen ausüben — z. B. wenn das Erlebnis »Angst« in einem nächsten Schritt selbst wieder Determinante einer Phantasiebildung oder eines bestimmten Verhaltens werden sollte. Je weniger plausibel uns die Verbindung zwischen dem jeweiligen Ereignis (z. B. »Sonnenschein«) und dem zugehörigen Erlebnis erscheint (etwa »Mißmut« anstelle der zu erwartenden »Freude« über den Sonnenschein), desto mehr suchen wir in der Regel nach zusätzlichen Bedingungen, die uns das in Abhängigkeit vom Ereignis stehende Erlebnis doch noch verständlich machen könnten. So forschte Freud nach inneren Bedingungen, um abnorm erscheinende, von der durchschnittlichen Erwartung abweichende Reaktionen erklären zu können, eine Suche, die ihn Schritt für Schritt in die Vergangenheit, in die Kindheit, gar in die Phylogenese zurückführte.
Ließe sich etwa beim genannten Beispiel feststellen, daß schweißtreibend gearbeitet werden mußte, während die Sonne schien, so könnten wir die Reaktion »Mißmut bei Sonnenschein« verstehen, das heißt nachvollziehen. Wir akzeptieren das von der erwarteten Reaktion abweichende Erlebnis als »normal«, sobald wir die näheren Zusatzbedingungen erfahren haben, die uns die scheinbar absonderliche Reaktion »Mißmut bei Sonnenschein« plausibel machen können. Finden wir jedoch, daß der »Mißmut« sich darauf zurückführen läßt, daß sich hier einer bei »Sonnenschein« noch stärker als sonst von allen anderen Menschen getrennt erlebt, deren Freude er nicht teilen kann, weil er — aufgrund unbekannter Bedingungen — zu einer solchen emotionalen Reaktion überhaupt nicht oder nur selten in der Lage ist, während ihm Mißmut-