You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Georg Groddeck, »Irrlichtender Geist«, »bunter Hund«, »Enfant terrible« der psychoanalytischen Bewegung, gemeinhin, aber sein Wirken schmälernd, bekannt als »Vater der Psychosomatik«, war sicherlich einer der skurrilsten, streitbarsten, aber ebenso einer der ingeniösesten Köpfe der Psychoanalyse. Sicher ist auch, daß die geringe Rezeption seiner Schriften — eine Ausnahme bildet Frankreich — und die häufigen, plumpen Invektiven gegen ihn mit anderen Gründen zusammenhängen als der fraglichen Substanz seines umfangreichen Werkes. Für den seriösen Psychoanalytiker, den seriösen Denker war und ist das Fossil Groddeck ein Eklat: zu Recht, Groddecks Denken lief — sehr bewußt — quer. Die Facetten seines Werkes sind vielfältig: Er wirkte als überaus erfolgreicher Arzt — mit einem Selbstverständnis, das alle anderen Tätigkeiten einschließt —, als Physiotherapeut, Theoretiker, Schriftsteller, Kunstkritiker und rabiater Sozialreformer. Sein Verhältnis zu Freud, zu seiner Konzeption der Psychoanalyse begann kompliziert, 1912 verwarf er Freuds Ideen noch öffentlich, von 1913 an, verstärkt dann ab 1916 setzte er sich, nun euphorisch, mit Freuds Auffassungen auseinander, nahm sie mit Modifikationen auf und amalgamierte sie mit seinen eigenen Idee zu eigenwilligen theoretischen und therapeutischen Konzepten. Freud war dem »wilden« Analytiker trotz mancher Vorbehalte sehr zugetan, ab 1916 korrespondierten sie regelmäßig, von Groddeck übernahm Freud seinen Begriff des »ES«. Groddeck beeinflußte nachhaltig eine Reihe prominenter Geister, so unter