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Wann hat man als Psychosomatiker schon Gelegenheit, die Somatiker über die Psyche zu vernehmen oder ihr Gehör zu finden? Mit dem vorliegenden Band sind wir eingeladen, uns über ein solch ungewöhnliches Ereignis zu informieren; trafen sich doch im Februar 1988 auf Einladung von Walter Bräutigam Vertreter der somatischen Medizin mit denen der Psychosomatik zu einer gemeinsamen Tagung. Dabei liest man nicht nur Ermutigendes. Etwa wenn der Onkologe Theml, dem man Sachverstand und kritische Sympathie für die Psychosomatik gewiß nicht absprechen kann, nach vielen Jahren der verschiedensten Kooperationsversuche wieder zur Seelsorge tendiert. Oder wenn in Heidelberg ein Liaisonprojekt von Dermatologie und Psychosomatik, von beiden Seiten engagiert begonnen, nach Ablauf der Drittmittelförderung mit fadenscheinigen Argumenten eingestellt wird. Zurück blieb offenbar allseits Verstimmung: zwischen der Psychosomatikerin an der »Front« mit beiden Chefs (dem dermatologischen wie dem eigenen) wie zwischen diesen Chefs selber.
Unbeirrt von der jahrzehntelangen fruchtlosen Psyche-Soma-Diskussion fragt der Gastroenterologe Feurle immer noch nach den Fakten in der Psychogenese etwa des Morbus Crohn und läßt sich davon auch nicht durch psychosomatische Bekenntnisse (»wir behandeln Patienten, nicht Symptome«) abbringen. Die Kosten-Nutzen-Analyse der Krankenkassen hat er dabei sicher auf seiner Seite.
Sogar die langjährige und offenbar funktionierende Zusammenarbeit zwischen Meerwein und dem Onkologen Martz in Zürich hat einen Beigeschmack. Geht es nur aufgrund der Freundschaft dieser beiden Männer, die sich von kleinauf, von der gemeinsamen Schulbank her kennen? Und nur, weil ein privater Fond für die Finanzierung sorgt und damit der öffentlichen Beschimpfung durch die eigene Regierung (»Psychologie macht krank«) trotzt?
Der konzeptuelle Rahmen der Auseinandersetzung ist durchweg die Psychoanalyse. Wie hilfreich, oder umgekehrt, wie schädlich ist aber die Psychoanalyse, oder sagen wir vorsi