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Sigmund Freud schrieb 1905 in den »Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie« über das Zusammenwirken von Psychoanalyse und Kinderbeobachtung: »Die aus späterer Zeit auf die Kindheit zurückgreifende psychoanalytische Forschung und die gleichzeitige Beobachtung des Kindes wirken nun zusammen, um uns noch andere regelmäßig fließende Quellen für die sexuelle Erregung aufzuzeigen. Die Kindheitsbeobachtung hat den Nachteil, daß sie leicht mißzuverstehende Objekte bearbeitet, die Psychoanalyse wird dadurch erschwert, daß sie zu ihren Objekten wie zu ihren Schlüssen nur auf großen Umwegen gelangen kann; in ihrem Zusammenwirken erzielen aber beide Methoden einen genügenden Grad von Sicherheit der Erkenntnis« (S. .).
Neben rekonstruktiv gewonnenen Vorstellungen über die frühe Kindheit, die aus der psychoanalytischen Behandlung Erwachsener stammen, hat die Kinderbeobachtung in der Psychoanalyse eine lange Tradition. Hier sind Anna Freud, Melanie Klein, John Bowlby, Donald H. Winnicott, René Spitz und Margaret Mahler zu nennen. Ihre Beobachtungen eröffneten ein breites Spektrum von Entwicklungsvorstellungen, die innerhalb des Bezugssystems psychoanalytischen Denkens stehen. Die Befunde der neueren Säuglings- und Kleinkindforschung entstammen dagegen sorgfältig geplanten Experimenten, mit denen in der Regel Hypothesen geprüft werden. Fruchtbar wurde diese »Revolution der Säuglingsforschung« (Stern) u. a. durch die Entdeckung und wissenschaftlich-methodische Nutzung verschiedener Bewußtseinszustände des Säuglings. Dabei wählten die Forscher vor allem den Zustand der »alert inactivity« (einer wachen Aufmerksamkeit des Säuglings ohne sichtbare Aktivität) für ihre Experimente aus. Die neue elektronische Technik ermöglichte durch Videoaufnahmen eine nicht-intrusive Beobachtung und Aufzeichnung und eine methodisch sehr differenzierte Auswertung des Verhaltens in der Mutter-Kind-Dyade.
Dieser experimentelle Ansatz der Säuglingsforschung hat eine Menge Ergebnisse und neue Erkenntnisse über Ver