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Ein Frauen-Buch ist vorzustellen, eine ungewöhnliches, mutiges Buch, herausgegeben von der Heidelberger Romanistin und Lyrikerin Eva-Maria Knapp 15 Frauen aus akademisch-literarischem Milieu berichten über ihre erste Erfahrung mit der Liebe. Die Abgründigkeit dieser Erfahrung ist Quellpunkt psychoanalytischen Denkens — Abgründigkeit aus der Macht der frühen Elternbilder, aus der kollektiven Mächtigkeit der Menschheitserfahrung oder aus der Kluft, die die Vorwelt des Vorgeburtlichen von der nachgeburtlichen Wirklichkeit trennt, die bei jedem Lebenswechsel zu bewältigen ist? Die hier abgedruckten Beiträge geben erlittene und verarbeitete Lebenserfahrung wieder, sind Bekenntnis zu sich selbst in einer Offenheit, wie sie meines Erachtens erst in unserer Zeit möglich ist, in einer früheren Generation undenkbar gewesen wäre. Die eigene Lebensgeschichte in ihren Grenzen und Möglichkeiten als inneres Bestimmungsstück der Identität zu nehmen ist eine psychohistorische Errungenschaft und so exemplarisch wichtig, weil nur über die Erfassung des eigenen Weges das Ziel einer neuen Identität von Frau und Mann erreicht werden kann.
Die Beiträge zeichnen die individuellen Figuren der Ablösungsnöte aus der Übermacht der Eltern, finden mythische Bilder für die Erfahrung des Überganges und der Ernüchterung der Ankunft. Fast allen Frauen wird die Liebeserfahrung zum initiatischen Erlebnis, das sie gestalten und durch das hindurch sie ihre Autonomie retten wollen; das »Kulturziel« einer gewissen Hörigkeit der Frau, wie Freud es noch im »Tabu der Virginität« beschrieben hat, wird, unter welchen Opfern auch immer, zurückgelassen. Eine Voraussetzung dafür ist das Zugeben der eigenen Beschädigung und ihr Wirksamwerden in der Liebeserfahrung. Es taucht die ganze Szenerie der Motive auf, wie sie die Psychoanalyse unter dem Topos des Ödipuskomplexes behandelt hat, aber auch die ganze initiatische