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Nach ihrer 1973 verfaßten Autobiographie (erschienen auf deutsch als Selbstkonfrontation bei Kindler 1975) autorisierte Helene Deutsch 1978 Paul Roazen, eine Biographie über sie zu schreiben. Roazen erhielt Zugang zu persönlichen Papieren und Briefen.
Gut verständlich und spannend, in manchen Abschnitten mitreißend, zeichnet Roazen die Biographie nach. 1884 in Przemyśl als jüngste Tochter eines Anwalts geboren, habe Helene Deutsch schon früh unter dem Konformismus und dem gesellschaftlichen Ehrgeiz ihrer Mutter gelitten. Zu ihrem 1919 verstorbenen Vater schildert sie eine gute Beziehung. Im Alter von 14 Jahren, während ihrer Gymnasialzeit, begann die Beziehung mit dem sozialistischen Politiker Hermann Liebermann, er war verheiratet, die Beziehung mit Helene war ein gesellschaftlicher Skandal. In ihrer Autobiographie bezeichnet Helene Deutsch ihn nur als L. Die Mutter war stark gegen die Beziehung, der Vater tolerierte sie. Liebermann förderte Helene Deutschs Studienabsichten. Nach ihrem Wegzug aus Przemyśl 1907 begann Helene Deutsch das Medizinstudium in Wien, im selben Jahr wurde Liebermann dort Abgeordneter. Die Eltern unterstützten Helene während ihrer Studienzeit finanziell, obgleich ein Medizinstudium für Frauen zur damaligen Zeit durchaus außergewöhnlich war.
Beim Vergleich der Autobiographie mit Roazens Werk fällt auf, wie differenziert und detailliert Helene Deutsch ihre durchaus beachtlichen politischen Aktivitäten nach der Jahrhundertwende beschreibt. Früh in ihrer Gymnasialzeit lernte sie Vera Figner und andere russische Kommunisten in Zürich kennen (Deutsch, 1975, S. 73), später leitete sie sogar einen Frauenstreik in Przemyśl, 1910 lernte sie auf einem Kongreß der Sozialistischen Internationale in Stockholm Rosa Luxemburg kennen und verehren. Daß Helene Deutsch rückblickend schreibt (Deutsch, 1975, S. 81): »Ich wollte [L.s] Frau sein! Unentschlossenheit und frustriertes