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Nur wenige wagen sich an die psychoanalytische Erkundung der Psychosen und nirgendwo wird der Riß im vielbeschworenen Junktim zwischen Heilen und Forschen schmerzlicher empfunden. Um aber die in dieser Verknüpfung enthaltene Anwartschaft einzulösen — die Praxis ist heilsam wegen der Wahrheit der in ihr zutage geförderten Erkenntnisse —, muß geklärt werden, »inwiefern die Technik die Theorie beeinflußt hat und inwieweit die beiden einander gegenwärtig fördern oder behindern« (Freud). Leider mißlang der Psychoanalyse in den vergangenen Jahrzehnten trotz größter Bemühungen und unzweifelhafter Fortschritte jeder Entwurf einer systematischen, ätiologischen Theorie der psychotischen Erkrankungen. Von Grund auf unvereinbare Konzepte, die von biologischen Spekulationen über Phantasien vom prä- und perinatalen Leben bis zur Annahme genetisch frühester Objektbeziehungen mit hochkomplexen Abwehrmechanismen und Angstinhalten reichen, führen unbeschwert von Widersprüchen ein scheinbar friedvolles Zusammenleben. Auch die Theorie und Praxis der Behandlungsführung, die neben glänzenden Erfolgen vor allem die Ausweglosigkeit und Resignation kenntlich machte, ist weit vom Ziel standardisierbarer Empfehlungen entfernt. Gänzlich ungelöst zeigt sich die Frage nach dem konkreten Zusammenwirken von Theorie und Technik. Obwohl gerade im Falle der Psychosen eine klar definierte Vorgehensweise unerläßlich scheint, muten viele der wenigen veröffentlichten Fallberichte wie mystische Vorgänge an, was anscheinend weniger der Vorliebe der Psychoanalytiker für Okkultismus als der Verworrenheit der klinischen Phänomene zuzuschreiben ist.
Angesichts dieser wenig hoffnungsvollen Situation wagt S. Becker, Psychoanalytiker und Gründer des Vereins für psychoanalytische Sozialarbeit in Tübingen, einen neuen Anlauf, die Verknüpfung von Heilen und Forschen für die Psychosen zu klären (S. 24ff.). Zur anfänglichen Neugier des Lesers tritt bald die erste Ernüchterung: Der Titel verspricht Material zur Psychose