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Fast 40 Jahre nach dem Tod von Karen Horney erscheinen ihre letzten Vorlesungen in deutscher Sprache. Sie hatte an dem von ihr begründeten Karen Horney Psychoanalytic Institute & Center in New York vorgetragen. Horney widersprach einer starr mechanistischen Triebkonzeption und setzte sich für eine interpersonale Kulturtheorie ein, der zufolge sich der Mensch in seinen Beziehungen zu anderen entwickelt. Die mangelnde Effektivität der psychoanalytischen Therapie wurde von ihr kritisiert. Horney trug zu einer Grundlegung der Ich-Psychologie bei, wie sie auch die transkulturelle Psychiatrie befruchtete. Ihre Vorlesungsreihe für Studenten höherer Semester widmete sie zentralen Topoi der Psychoanalyse: freie Assoziation, Deutung, Widerstand und Abwehrhaltungen. Sie legte besonderes Gewicht auf das Instrument, mit dem der Psychoanalytiker vor allem arbeitet: die eigene Person. Die eigenen neurotischen Schwierigkeiten seien das größte Handicap in der analytischen Arbeit. Schulung und Ausbildung des angehenden Analytikers müßten dies im Auge haben. Ist das Instrument nicht gut geeicht, besteht die Gefahr von zu früher oder falscher Deutung, Vorurteile über die Persönlichkeit des Klienten treten auf, autoritäre Züge des Psychoanalytikers fließen als ungeklärte Persönlichkeitsanteile in die psychotherapeutische Praxis ein. Für Horney gibt es keine »unberührte« Objektivität. Psychoanalyse sei ein kooperatives Unternehmen, das kooperative Bemühen beider Gesprächspartner führe zu wirklichem Verstehen. Was in der klassischen Auffassung als Widerstand resp. Abwehr gedeutet und gehandhabt wird, kennzeichnet sie als die Schwierigkeiten, mit denen der Klient allgemein kämpft. Sein »Widerstand« ist seine Sicherungstendenz, seine Angst, sein Umweg, sein Problem — kurz, sein Versuch der Lebensbewältigung.
1952, schon erkrankt, konnte Horney die Vorlesungsreihe nicht zu Ende führen. Das Bändchen schließt mit Erinnerungen eines ehemaligen Studenten. So klein es ist, so reichhaltig seine Aus