You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die folgenden Briefe sind ein Vorabdruck aus dem Ende April 1992 im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, erscheinenden Band Sigmund Freud/Ludwig Binswanger: Briefwechsel 1908-1938. Herausgegeben von Gerhard Fichtner. Die erhaltenen Briefe Freuds und Binswangers werden darin erstmals vollständig veröffentlicht.
Ludwig Binswanger (1881-1966), Psychiater und Psychotherapeut, stammte aus einer in der Schweiz ansässigen hochangesehenen Psychiaterfamilie, war Schüler Eugen Bleulers und hatte als Doktorand von C. G. Jung mit diesem im Jahre 1907 erstmals Freud in Wien besucht. Im Jahre 1911 übernahm er von seinem Vater Robert Binswanger die Leitung des Sanatoriums Bellevue, einer international renommierten psychiatrischen Privatklinik, in der bereits 1881 eine Patientin Josef Breuers wegen ihrer Morphinsucht behandelt worden war - jene »Anna O.« die zum Urbild kathartisch-psychoanalytischer Therapie geworden ist. Binswanger, der anfänglich die Psychoanalyse auch bei psychotischen Patienten anzuwenden versuchte, entwickelte aus dem Bestreben, die Psychoanalyse erkenntniskritisch zu fundieren, die »Daseinsanalyse«, eine Verschmelzung von Grundgedanken Freuds, der Phänomenologie Husserls sowie der Daseinsanalytik Heideggers (und später der Existenzphilosophie Wilhelm Szilasis). So entstand aus seiner Einführung in die Probleme der allgemeinen Psychologie (1922a) sein Hauptwerk Grundformen und Erkenntnis menschlichen Daseins (1942b).
Die Korrespondenz besteht aus 114 erhaltenen Schreiben (Briefe, Postkarten, Telegramme) von Freud und 67 Schreiben von Binswanger. Die Originalbriefe Binswangers sind nicht erhalten geblieben, sondern nur die Durchschläge seiner maschinenschriftlichen Briefe und Abklatschkopien weniger handschriftlicher Briefe. Der Briefwechsel reicht vom Austausch und der Beratung bei der Behandlung gemeinsamer Patienten bis hin zu den Grundsatzfragen etwa der Beziehung zwischen Philosophie und Psychoanalyse oder der psychoanalytischen Religionskritik; er ist Zeug