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Karl Kraus steht in dem Ruf, einer der unverblümtesten Gegner Freuds zu sein. Seine Schriften werden für den Versuch benutzt, das gesamte Unternehmen der Psychoanalyse in Mißkredit zu bringen. Parteilich sind aber auch die Anhänger Freuds in ihren Bemühungen, die Position von Kraus zu untergraben.1 Um ein klares Bild zu gewinnen, muß man zeigen, wieviel den beiden gemeinsam war, auch wenn ihre Wege sich schließlich trennten. Freud und Kraus waren die größten Kritiker des Unbehagens in der Kultur, die das habsburgische Wien hervorbrachte, und ihre Diagnosen sind im Grunde komplementär.