You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
1967 erschien, aus der Feder von Alexander und Margarete Mitscherlich, das zeitdiagnostische Buch Die Unfähigkeit zu trauern, dessen öffentliche Wirkung, zumindest oberflächlich, groß war. Tilmann Moser hat das Werk 25 Jahre später eine Re-Lektüre unterzogen und artikuliert schwere Zweifel daran, ob die Diagnose der Mitscherlichs zutreffend war. Er vermutet, daß die Haltung der beiden Autoren — die als eine Mischung aus analytisch-therapeutischen politischen und pädagogischen Einstellungen charakterisiert wird — wenig dazu taugte, die reale psychische Befindlichkeit der Tätergeneration zu erfassen und deren Einsichtsund Veränderungsfähigkeit zu fördern. Moser postuliert das »tragische Paradox«, daß auch der ins Verbrechen Verstrickte Einfühlung braucht, wenn er den Weg zur Umkehr finden soll.