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Das Erscheinen der ersten klinisch-psychoanalytischen Monographie zum Syndrom der Bulimie läßt aufmerken. Denn soviel wie von behavioral oder deskriptiv orientierten Autoren im letzten Jahrzehnt veröffentlicht wurde, so sehr vermißte man, von ganz vereinzelten Ausnahmen abgesehen, psychoanalytische Beiträge zum Verständnis dieses Symptombildes. Die beiden an der psychosomatischen Abteilung der Universität Kiel arbeitenden Autoren zielen darauf, diese Lücke zu füllen.
Der Kern des Bandes besteht aus einer Deutung der Psychodynamik der Symptomatik und ihrer Psychogenese, die durch Fallgeschichten, Erstinterviewberichte sowie einen Therapiebericht illustriert wird. Insbesondere die Darstellung klinischen Materials ist erfreulich, ist sie doch höchst selten geworden, obwohl allein an ihm theoretische Überlegungen sich konkretisieren und bewähren können.
Der strukturellen Heterogenität der Gruppe von Patienten mit Bulimie Rechnung tragend, wird die Psychodynamik der Symptomatik jeweils auf zwei Stufen der Ichstruktur ausbuchstabiert. Übergreifend wird Nahrung als Ersatz eines ambivalenten mütterlichen Objekts interpretiert, das aufgefressen und ausgespuckt wird, und der »dicke« Leib als ödipales Symbol der Schwangerschaft. Psychogenetisch finden die Autoren eine doppelte Fixierung an die orale und ödipale Phase, mit unterschiedlichen Akzenten je nach Niveau der Ichstruktur.