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Die psychoanalytische Theorie der Weiblichkeit geht davon aus, daß sich geschlechtsspezifische Identifikationsmuster aus historisch sehr weit zurückreichenden Traditionen speisen, die den Betroffenen oft unbewußt bleiben. Die Äbtissin Heloise verfocht zu ihrer Zeit (12. Jahrhundert) Ideale, die einerseits das im Mittelalter dominante Bild der Frau infragestellten, andererseits aber auch die Übereinstimmung mit dem gesellschaftlich herrschenden Mann (Abaelard) als dem Repräsentanten des Geistigen suchten. Der Briefwechsel zwischen Heloise und Abaelard enthüllt paradigmatisch Heloisens Konflikt zwischen Aufbegehren und Resignation, zwischen Autonomie- und Regressionsbewegungen, dessen Lösung sich als Form des weiblichen Narzißmus fassen läßt.