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Eine der fruchtbarsten Forschungshypothesen, auf die Sigmund Freud die Entwicklung der psychoanalytischen Theorie stützte, war die, daß sich jede psychische Wirklichkeit an eine biologische Funktion anlehne. An körperliche Vorgänge und Funktionen anschließende Kategorien wie Oralität, Analität und Genitalität eröffneten der Psychoanalyse eminent wichtige Einsichten in die Entstehung der frühesten psychischen Strukturen, in ihr Entwicklungsniveau beim Erwachsenen und nicht zuletzt in ihre Veränderbarkeit in der klinischen Praxis. Angesichts dieses wissenschaftlich so erfolgreichen Beobachtungsrasters der »Anlehnung« an biologische Funktionen erscheint es erstaunlich, daß sich Psychoanalytiker bislang relativ wenig für das größte menschliche Sinnesorgan, die Haut, interessiert haben. Die Haut umhüllt den Körper, und analog hierzu läßt sich das Ich als eine imaginäre Hülle verstehen, die die psychische Realität umgibt. Welche Fülle an psychologischen Einsichten und originellen Aspekten ein solcher Ausgang von den vielfältigen Funktionen der Haut zutage fördern kann, zeigt das Buch von Didier Anzieu, das die Forschungsergebnisse des Autors auf diesem Gebiet aus über einem Jahrzehnt vorstellt.
Anzieu knüpft mit seinen Überlegungen an den in den letzten Jahrzehnten vielfach vermerkten Symptomwandel bei Patienten an, die eine Psychoanalyse anstreben. Mehr als die Hälfte der Patienten litten heute an narzißtischen Persönlichkeitsstörungen und/oder sog. Borderline-Störungen: Grenzzustände zwischen Neurose und Psychose, die Symptome beider klassischer Kategorien aufweisen und letztlich durch eine Ungewißheit gegenüber psychischen Grenzen zu kennzeichnen seien. Diese Ungewißheit betrifft etwa die Abgrenzung zwischen Selbst- und Fremdbestimmung, narzißtische Kränkbarkeit bei Schwäche oder Lücken der psychischen Hülle, starke affektive Störungen in der Differenzierung zwischen dem, was von innen und was von außen kommt, oder