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Seit etwa zwanzig Jahren stehen Freuds Ansichten zum Thema Weiblichkeit und weibliche Entwicklung massiv in der Kritik. Daß das kleine Mädchen lediglich ein »kleiner Mann« sei, wird heute kaum noch ernsthaft vertreten. Die Autorin legt dar, daß die Identifizierung des Mädchens mit dem Vater viele Bedeutungsfacetten hat: nicht nur die der Loslösung von der als ambivalent erlebten Mutter, sondern auch die, ein Subjekt zu finden, das Anerkennung, Autonomie, Begehren und Erregung verspricht. Insgesamt plädiert Benjamin dafür, den Begriff der Geschlechtsidentifizierung dergestalt zu dezentrieren, daß er sich auf die Vielfalt von Entwicklungspositionen bezieht und so die Reduktion auf den anatomischen Geschlechtsunterschied vermeidet. In dieser Sicht sind »Männlichkeit« und »Weiblichkeit« nicht starre Pole, vielmehr bewegliche Sphären, die sich berühren und kreuzen und komplexe Muster bilden: Dies impliziert auch, daß Mütter ebenso wie Väter für die Repräsentanz des Begehrens und der Freiheit stehen können.