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Sandor Ferenczi warf 1923 die Frage auf, ob nicht allein die Erscheinung des Arztes mehr für den Kranken, oft selbst den organisch Erkrankten, bewirke als Medikamente. Im Studium würden Ärzte aber weder lernen, wie das Medikament vom Arzt richtig zu dosieren sei, noch, wie es wirke. Michael und Enid Balint begannen 1950, ausgehend von dieser Erfahrung, an der Tavistock Clinic in London Diskussionsseminare mit Ärzten, die später unter dem Namen »Balint- Gruppen« bekannt wurden. In ihnen wurde ein Brückenschlag zwischen Medizin und Psychoanalyse versucht, mit dem Ziel, dem praktischen Arzt zu helfen, Fähigkeiten zur Aufnahme dessen zu erwerben, was ihm der Patient weniger durch Worte als durch sein gesamtes Verhalten mitteilt. Heute gibt es Balint- Gruppen für Ärzte, Lehrer, Seelsorger und andere Berufsgruppen, die direkt mit Menschen arbeiten. Balint-Gruppen haben sich bewährt, die daran Teilnehmenden können für ihre tägliche praktische Arbeit daraus offenbar einen Nutzen ziehen. Unter Anleitung eines Psychoanalytikers werden in einer Balint-Gruppe Problempatienten/Problemschüler vorgetragen, und es wird dem Arzt/Lehrer ein besserer Zugang zum Verständnis dieser Menschen ermöglicht.
Wie dies vor sich geht, warum die Balint-Gruppen so und nicht anders konzipiert sind, welche Entwicklung es seit Balint gegeben hat - dies tragen Nedelmann und Ferstl in vorliegender Publikation zusammen. Sie beschränken sich auf Balint-Gruppen für Ärzte, da Michael und Enid Balint ihre Methode für diese Berufsgruppe entworfen und in dieser praktiziert haben. Thure von Uexküll beschreibt zunächst die Paradoxien der Erfolge der Medizin. Sein Aufsatz trägt den Titel »Patientenkarrieren«, was besagt, daß nicht wenige Patienten über