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Grundlage dieses Sammelbandes ist eine Tagung. Aber es war wohl keine jener Routine-Tagungen, aus der dann mit Gewalt ein schlapper Buchkoloß geboren wurde. In dem von Michael Buchholz herausgegebenen und mit großer Übersicht eingeleiteten Buch werden ein hoch im (Dis-)Kurs stehender Begriff und die von ihm thematisierte Sache verhandelt, die dringend einer eingehenden Erörterung bedürfen. Denn von Intimität spricht jeder und gibt vor zu wissen, wovon dabei die Rede ist. Denjenigen, dem dabei zunehmend unbehaglich ist, kann der vorliegende Band bestätigen und ihm als Orientierungshilfe im Diskurs-Gestrüpp von Nutzen sein. Folge der von Sennett diagnostizierten und gedankenreich beklagten »Tyrannei der Intimität« - einer These, die dem Thema »Intimität« als einem sozialpsychologischen sicher sehr stark auf die Beine geholfen hat - ist er nämlich nur vermittelt. Denn er liegt nicht einfach im damit bezeichneten Trend, sondern bezieht seine Stärke gerade aus der kritischen Auseinandersetzung damit.
Hervorzuheben ist hier zum einen die Vielfalt und Interdisziplinarität der Zugänge zum Thema. Eine erste Gruppe von Arbeiten, aus der die Aufsätze von Lorenzer und de Swaan besonders hervorstechen, widmet sich der Rekonstruktion immer schon problematischer Wege in die Moderne, den Zusammenhängen, die das Freudsche und das nach-Freudsche Individuum historisch überhaupt erst möglich machen. A. Lorenzer tut dies in einer kleinen Skizze der sozialisationsgeschichtlichen Prozesse, die den Verfall der Öffentlichkeit, ihre Okkupation durch intime Lebensmuster begleitet haben. Hierbei spielen - dies ist eine Pointe der Argumentation - die geschlechtsspezifischen, komplementär aufeinander bezogenen Ausdifferenzierungen der individuellen Lebensentwürfe der beginnenden Moderne eine entscheidende Rolle. Im Mittelpunkt von de Swaans stark an Elias orientierter Untersuchung der sozialhistorischen Herausbildung von Intimität stehen Formen körperlicher Distanz, des Wohnens als zunächst durch