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Jeffrey M. Masson hat nach seinem ersten vielbeachteten Bestseller, in dem er die Verwerfung der Verführungtheorie durch Sigmund Freud diskutiert und einen ersten großen Schritt weg von der Psychoanalyse macht, ein weiteres Buch vorgelegt, das sicher ebenso viel Beachtung finden wird. Er fordert darin nämlich die »Abschaffung der Psychotherapie«, was zumindest in den professionell damit befaßten Kreisen auf Widerspruch stoßen dürfte. Masson, einst gefeierter »Jungstar« der amerikanischen Psychoanalytiker-Szene, entledigt sich dabei vollends jeglicher psychoanalytischer Identität und distanziert sich auch schärfstens von jeder Form der Psychotherapie, weil diese nichts als Gewalt über Menschen darstelle (wie er selbst so lange scheinbar sinnloses, ja gewaltsames Tun ausüben konnte, beschreibt er nicht).
Faßt man nun einmal die Psychotherapie selbst als ein »Kind unserer Zeit« auf und wendet man Massons Frage aus dem Titel des ersten großen Bucherfolgs Was hat man dir, du armes Kind, getan? auf sie an, so müßte nach Lektüre des neuen Buchs die Antwort lauten: »Man hat mich mit dem Bade ausgeschüttet!« - so zumindest meine erste Assoziation zu dem neuen Epos. Masson bringt eine Fülle von Beispielen menschenverachtender Behandlung von Patientinnen und Patienten mit verschiedensten Problemen; allerdings beschränkt sich seine Analyse zunächst fast ausschließlich auf die Psychiatrie bzw. auf Anstaltsvorkommnisse, wo insbesondere Frauen gegen ihren Willen von einer männlich beherrschten Psychiatrie festgehalten wurden. Dies hat aber mit der gemeinhin privat ausgeübten Psychotherapie wenig gemeinsam.
Ein »leuchtendes« Beispiel ist etwa der amerikanische Psychiater John Rosen, der ein wahrer größenwahnsinniger Sadist gewesen sein muß und seine Patientinnen mit einer Mischung aus Sadismus und Unterwerfung zu »bändigen« versuchte. Auch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung waren an der Tagesordnung. Dieser Rosen schaffte es tatsächlich, für seine Methoden auch noch Anerkennung z