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Jüngst wurde die immer noch drohende Gefahr eines Austritts zum größeren Teil noch gar nicht entwichener Radioaktivität aus dem Unglücksreaktor von Tschernobyl durch Presseberichte deutlich. Daß Meldungen dieser Art infolge der Schnellebigkeit von Informationsgesellschaften und der in ihnen wirksamen Verdrängungskraft heute schon nicht mehr so recht durchdringen, jedenfalls nicht mehr bewußtseinsnah, ist ein Sachverhalt, gegen den das hier rezensierte Buch - das sozialpsychologisch wohl beste, was zum Thema seither erschienen ist - in zweierlei Weise anschreibt. Einmal will es die Erinnerung an die technisch-industrielle Epochalkatastrophe wachhalten, zum andern analysiert es zugleich die vielfältigen Reaktionsformen und alltagspraktischen Abwehrformationen, mit denen öffentlich und privat, in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und den Medien prometheische Scham und prometheische Schamlosigkeit (wie kürzlich K. Gabbert es formulierte) sich gegenseitig überbieten.
Der Band präsentiert eine Phalanx namhafter Sozialpsychologen, von Günther Anders und Horst-Eberhard Richter bis zu Thomas Leithäuser, Thea Bauriedl und Horst Petri. Die Mehrzahl der Aufsätze folgt einer grundsätzlichen Perspektive: Tschernobyl und dessen Bedeutung für die heutige Kultur/Sozialpsychologie bzw. das Verhältnis Mensch-Technik-Zukunft. Spezifische Fragestellungen sind: deutsche Besonderheiten, geschlechtsspezifische Verarbeitungsweisen, Ängste von Kindern und Jugendlichen, der Umgang der Politiker hinsichtlich wichtiger Informationen. Ein Text, der von Kettner, hebt sich insofern ab, als er die psychologischen Argumente in der Tschernobyl-Debatte ihrerseits sichtet und philosophisch-diskursanalytisch auf ihre Stichhaltigkeit hin untersucht - eine lehrreiche Lektüre, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie wichtige, im Band nicht berücksichtigte Beiträge einbezieht und damit deren Gedanken zumindest teilweise zugänglich macht.
Wie die Namen der AutorInnen bereits sagen, überwiegt in diesem Buch die ps