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Gert Mattenklott hat jüngst in einer Besprechung des Homburger Kolloquiums »Judentum, Antisemitismus und deutschsprachige Literatur« (FAZ vom 15. März , S. 35) einige beherzigenswerte Sätze, den wissenschaftstheoretischen Ansatz der Tagung betreffend, geschrieben: Bei einem so hochsensiblen Thema, in dem »das schlechte Gewissen der Judenmordschuld« vorder- oder hintergründig mitschwingt, dürfe man nie außer acht lassen, daß die Wissenschaftssprache den »unverwechselbaren Schuldzusammenhang zwischen Tätern und Opfern« zu »neutralisieren scheint«. Das scheint nicht nur so — sie tut es.
Auch Psychoanalytiker sollten dieser Mahnung eingedenk sein. Der Begriffsfetischismus, der im psychoanalytischen Jargon zuweilen bedenkliche Ausmaße annimmt, verleitet seine Adepten nur zu leicht zu beredten Betrachtungen und Auslegungen, hinter denen das zu behandelnde Thema gleichsam im Nebel verschwindet. »Das demasqué des Skandalösen«, einst das Hauptkennzeichen des neuartigen psychoanalytischen Paradigmas, wurde auf diese Weise unbemerkt und unbeabsichtigt zu einer neuen Maskerade. Die Sprache der Psychoanalyse hat in ihrer wissenschaftlichen Entwicklung — im Gegensatz zu der bilderreichen Sprache Sigmund Freuds — einen Abstraktionsgrad erreicht, der dem des Computerschachspiels vergleichbar ist. Theodor Reiks charmante Mahnung, »den Mut [zu haben], nicht zu verstehen«, scheint im theoretischen Überschwang psychoanalytischer Bemühungen vergessen. Diese Erwägungen motivieren mich zu den folgenden kurzen Ausführungen in meinem Beitrag zu dem jahrhundertalten Thema der Schändung jüdischer Friedhöfe — aktuell nicht nur in deutschen Landen, sondern auch in Frankreich (Carpentras). Wie der Redaktion der Psyche bekannt, habe ich an anderer Stelle1, bei einer anderen Gelegenheit die Zerstörung, die »Schändung« eines jüdischen Friedhofes in extenso dargestellt. Die nachträgliche psychoanalytische Interpretation eigener literarischer Texte ist nicht meine Sache.