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Als Psychoanalytiker erforschen wir die seelischen Ursachen und Folgen von Verunsicherung, Angst und Bedrohungsgefühlen: wie sie reifes seelisches Funktionieren zurückdrängen; wie Vorurteile wirksam werden und gewalttätiges Handeln freisetzen; wie untergründige Kontinuitäten das Weiterwirken der Vergangenheit in der Gegenwart ermöglichen. Wir melden uns jetzt in der öffentlichen Auseinandersetzung zu Wort, um mitzuwirken, daß den alarmierenden Entwicklungen in unserem Land Einhalt geboten wird. Der jähe Ausbruch von Haß und Gewalt gegenüber Asylbewerbern und Ausländern sowie sich verschärfende Einstellungsänderungen bis hin zu eindeutig rechtsradikalen, rassistischen Vorstellungen zeugen von regressiven massenpsychologischen Phänomenen, die durch tiefgreifende politische Veränderungen der jüngsten Zeit ausgelöst worden sind.
Eine der tieferen Ursachen liegt in dem längst nicht mehr zeitgemäßen Selbstverständnis der Bundesrepublik als einer homogenen Nation. Die Anwesenheit von Ausländern und Asylbewerbern erscheint vor diesem Hintergrund als Angriff auf jene in sich geschlossene idealisierte Gemeinschaftlichkeit, die offenbar eine kollektiv unbewußte Sehnsucht vieler Deutscher geblieben ist. Berührung mit Fremden wird als Gefährdung der eigenen Identität und als Sprengung einer vermeintlich einheitlichen Gesellschaft erlebt. In der regressiven Vorstellung einer homogenen Staatsnation kehrt die mythische »Volksgemeinschaft« aus der Verdrängung wieder. Sie soll in der »Wohlstandsfestung« Deutschland Schutz gewähren vor jenen großen Flüchtlingsbewegungen, die durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa und die Armut in der Dritten Welt ausgelöst werden. Hinzukommen die sich aus dem Vereinigungsprozeß ergebenden Herausforderungen, Verunsicherungen und Ängste.
In dieser Situation besteht die einfachste, aber auch primitivste psychische Möglichkeit, sich Erleichterung zu verschaffen, darin, den »Fremden« zum Sündenbock zu erklären, das heißt in ihm den Verursache