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Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule hat sich als ein schwieriges Erbe erwiesen. Einer jahrzehntelangen Idealisierung auf der einen und Ablehnung auf der anderen Seite folgte mit Autoren wie Jay, Schmidt, Wiggershaus und Brunkhorst eine Phase historisierender Aneignungen und werkbiographischer Deutungen. Inhaltliche Auseinandersetzungen führten Habermas, Wellmer, Apel und Honneth. Die weitestgehenden Konsequenzen zog Habermas, der sich gegen
Horkheimers und Adornos Aporie einer selbstbezüglichen Vernunftkritik wendet, die sich, so lautet seine Kritik, in den Begriffsstrategien einer überholten Bewußtseinsphilosophie verfange. Dem stellt er das Paradigma eines verständigungsorientierten kommunikativen Handelns entgegen.1 An die Stelle der totalisierenden Zivilisationskritik der Kritischen Theorie tritt bei Habermas ein vor allem im Anschluß an Max Weber entwickeltes Rationalitätsparadigma. Die Gesellschaft verfüge über Rationalitätspotentiale, die es nicht nur auszudifferenzieren, sondern auch intersubjektiv herzustellen gelte. Die in der Bewußtseinsphilosophie postulierte Beziehung des Subjekts zu etwas in der Welt wird in der Habermasschen Theorie des kommunikativen Handelns von der intersubjektiven Beziehung der handlungs- und sprachfähigen Subjekte, in der diese sich miteinander über etwas in der Welt verständigen, abgelöst. Die erkenntnistheoretische Begründung einer kritischen Gesellschaftstheorie wird durch eine kommunikationstheoretische ersetzt.
Einen solchen weitreichenden Perspektivenwechsel möchte Gunzelin Schmid Noerr, Mitherausgeber der Gesammelten Schriften Horkheimers, in seinem jüngst erschienenen Buch gerade nicht vollziehen. Der Titel des Buches drückt seine Intention treffend aus. Schmid Noerr hält »am Eingedenken der Natur im Subjekt« als »eines bestimmten Theorietyps« (S. 13) Adornos und Horkheimers fest und konzentriert sich auf eine intensive Textauslegung der wichtigsten Schriften der Kritischen Theorie. Ihren Erkenntnisgehalt gelte