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Edith Kurzweil, Professorin für Soziologie und in Deutschland durch kleinere kritische Schriften bekannt (vgl. Psyche, 39, (1985), S. 413-428) sowie durch ihren Bericht über den IPV-Kongreß in Hamburg 1985 (vgl. Psyche, 40, (1986), S. 909-921), hat im vorliegenden Buch eine umfassende vergleichende Arbeit über die Freudsche Psychoanalyse vorgelegt, die sich mit der Entwicklung wie der gegenwärtigen Ausprägung der organisierten Psychoanalyse in den USA, England, Frankreich, Deutschland und Österreich befaßt und auch den lateinamerikanischen Kontinent als Zufluchtsstätte für europäische Emigranten streift.
Der Text ist gewonnen aus Vereinsprotokollen, persönlichen Mitteilungen von bekannten Analytikern, schwer erhältlichen alten Bulletins, IPV-Nachrichten und Zeitungsberichten. Kurzweil beurteilt aus diesen Dokumenten das Vereinsleben, die Kongresse, die Absichtserklärungen im institutionellen Bereich und vergleicht sie mit persönlichen Aussagen von Analytikern, die sie interviewt hat. Die Autorin geht davon aus - und hat das in allen mir bekannten Arbeiten wie ein Motto deutlich vorangestellt -, daß sich die Psychoanalyse je nach den nationalen Eigenheiten des Gastlandes, so könnte man es nennen, sowohl personifiziert als auch institutionalisiert hat. Sie hält diese kulturellen Umstände für außerordentlich prägend und widmet ihre Untersuchungen genau diesen Verhältnissen, wobei sie eher die Unterschiede als die Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Ländern eruiert. Ihr soziologisches Diagramm der spezifischen nationalen Entwicklungen und Gesellschaften bezieht sich auf das Feld, in dem die Psychoanalyse arbeitet, also auf sozialpolitische Themen ebenso wie auf die organisationspsychologischen Eigenheiten, und schließt von dort auch auf die Weiterentwicklung der Psychoanalyse als Wissenschaft. Dieser Ansatz, der die Idee eines gemeinsamen Freud mehr oder weniger ausschließt und einen je »nationalen« Freud entstehen läßt, läuft darauf hinaus, daß die Freudsche Psychoan