You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Während viele Interpreten und Biographen Rousseaus dazu neigen, den Gegenstand ihres Interesses zu pathologisieren, distanziert sich der Autor von solchen Zuschreibungen. Er liest, dabei auch die autobiographischen Bekenntnisse mitberücksichtigend, Rousseaus Briefroman Julie oder Die neue Héloïse (1761) vielmehr so, daß sichtbar wird, daß dessen Urheber ihn zur Selbsttherapie benutzte. Im Roman werden bestimmte Szenen immer wieder derart konstelliert, daß sie schließlich als Komplementärszenen zur traumatisierenden Urszene - Rousseaus Mutter starb bei seiner Geburt - gedeutet werden können. Die Art und Weise, wie Rousseau die Neubearbeitung seines Kindheitstraumas literarisch gestaltet, weist ihn Niemeyer zufolge als einen Vorläufer der Psychoanalyse aus.