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Peter Gay ist seit seiner imposanten, nicht unumstrittenen Freud-Biographie (dt. 1989) einer der größten Namen im Feld. Bei den acht »Essays«, die er jetzt als Finale seiner biographischen Arbeit vorlegt (und die Elisabeth Vorspohl, nicht ganz ohne Mängel, in ein vorzügliches Deutsch gebracht hat), handelt es sich nicht um bloße Nebenwerke, die gebündelt einem erfolgreichen Buch nachgeschoben werden. Sie bieten, auch wo sie dort angeschlagene Motive ausspinnen, zusätzliche Überlegungen und frisches Material. Sofern sie schon früher gedruckt waren, wurden sie in der Regel revidiert und erweitert. Die besten Stücke lassen eine spezielle und reizvolle Funktion erahnen: hier nimmt sich der Autor jeweils einzelne, strategisch günstige Sachverhalte oder Quellenbeispiele vor, um synthesenhaft einige Facetten seines Freud-Bildes zu entwerfen, die in seinem magnum opus durch die schiere Stoffmasse etwas erdrückt werden. Gleichwohl muß man anmerken, daß der Titel des neuen Bandes, im Deutschen, eine Nummer zu groß ist. Gay faßt zusammen, was er zur Lösung des »Rätsels Freud« beizutragen weiß; aber daß er es »entziffert« hat (als Ödipus gegenüber einer Sphinx, wie die Zeichnung auf dem Schutzumschlag suggeriert), möchte ich bezweifeln. Der englische Titel Reading Freud war angemessener.
Der erste Aufsatz (S. 17-64) beschäftigt sich mit Freuds Verhältnis zu Shakespeare und zumal mit der Frage, warum der alte Freud vom Problem der Identität des Autors der Shakespeareschen Dramen umgetrieben wurde. Bekanntlich glaubte Freud, daß nicht der Mann aus Stratford, sondern Edward de Vere, 17. Earl of Oxford, der wahre Verfasser gewesen sei, eine These, die er dem Buch »Shakespeare« Identified von J. Th. Looney entnahm. daß Freud überhaupt das literarische mit dem biographischen Interesse verband, bezeugt nach Gay seine allgemeine Neigung, Kunstwerke von ihrem Schöpfer her zu verstehen. Diese heute eher verpönte Betrachtungsweise habe sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch