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Die in den siebziger Jahren mit ihren Büchern über Magersucht und systemische Familientherapie bekannt gewordene Mara Selvini Palazzoli hat mit einem neuen Team eine Chronik der Weiterentwicklung ihres familientherapeutischen Ansatzes in den Jahren 1980 bis 1988 vorgelegt. An ihr hat mir immer schon gefallen, daß sie Wert auf begriffliche Klarheit legt und bislang mit einem knappen und konzisen Stil bestach. Der ist in diesem Buch vierer Autoren leider verlorengegangen, was nicht an der wortreichen, doch korrekten übersetzung durch Ruth Ensslin-Frey liegt. Vielmehr wird der zurückgelegte Weg einfach nacherzählt, was zu Wiederholungen und einer unangenehmen Selbststilisierung führt.
Selvini Palazzoli befreit sich von dem einstmals dogmatisch eingenommenen systemischen Standpunkt, indem sie versucht, das Individuum als Analyseeinheit in ihr Verständnis von der Familiengruppe zu reintegrieren. Die Autoren kritisieren ihren einstigen »Holismus«, ihre vormalige Beschränkung auf teleologische Erklärungen und auf die Gegenwart und sogar die Annahme von in der Familie geteilten Grundüberzeugungen. Sie wollen nicht mehr nur etwas bewirken, sondern die Familiendynamik auch verstehen. Als offene Metapher nutzen die Autoren den Begriff des Spiels. Es wird durch einen Satz von Regeln konstituiert; jeder Spieler hält sich in seinen Spielzügen an die gemeinsamen Regeln, richtet sie aber mit mehr oder weniger persönlichem Geschick an den eigenen Zielen aus. Es handelt sich um ein außerhalb der systemischen Familientherapie durchaus nicht neues Modell der strategischen Interaktion in einer Kleingruppe.
Aus der theoretischen Öffnung ergeben sich für die Autorengruppe neue Erkenntnismöglichkeiten und behandlungstechnische Konsequenzen. Sie können nun einige für Familien mit »psychotischen« Patienten typische »Familiengeschichten« beschreiben (der Begriff des Psychotischen deckt hier einen weiten Bereich psychischer Störungen ab, u. a. Eßstörungen, Psychosen, Verhaltens-störungen). Zentr