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»Man kommt nicht als Frau zu Welt, man wird es«, schrieb Simone de Beauvoir im Jahre 1949 in ihrem längst als Klassiker feministischer Literatur anerkannten Buch Das andere Geschlecht und machte auf mehr als 700 Seiten durch ihre Deutung der Weiblichkeit auf die Unterdrückung der Frau aufmerksam.
Jahre zuvor hatte Sigmund Freud, der bekanntlich seine gesamte Theorie an der männlichen Sexualität orientierte, ein Konzept der Weiblichkeit entworfen, wie er sich das seelische Werden der Frau vorstellt. Seiner Weiblichkeitstheorie ist deutlich anzumerken, daß er sich der Geringschätzung der Frau in seiner Zeit nicht entziehen konnte. Aus dem frühkindlichen ödipalen Konflikt geht das Mädchen als Mangelwesen, als »penisloses Geschöpf« hervor: »Irgendeinmal macht das kleine Mädchen die Entdeckung seiner organischen Minderwertigkeit«. Im Laufe der Pubertät fügt sich die Jugendliche, zwar unter Protest, in ihre »kastrierte« Weiblichkeit, und als Frau ist ihr jene »organische Minderwertigkeit« zum endgültigen seelischen Erleben geworden.
Daß ein Mann »gar nicht auf den Gedanken (käme), über die besondere Lage der Frau zu schreiben«, wie de Beauvoir meint, stimmt für Freud also nicht. Was allerdings stimmt, ist, daß Freuds Vorstellungen von Frausein und Weiblichkeit längst nicht nur bei der Philosophin und Feministin de Beauvoir auf heftigen Widerstand treffen. Die Kritik richtet sich vor allem gegen seinen einseitig männlichen, das Weibliche entwertenden, patriarchalischen Blickwinkel, mit dem er seine Erkenntnisse über die Genese der Weiblichkeit selbst immer wieder entwertet.
Obwohl die Einwände gegen Freud berechtigt sind, sollte die Komplexität der psychoanalytischen Theorie der Weiblichkeit nicht übersehen werden. Freud hat als erster zwischen psychischem und biologischem Geschlecht unterschieden und auf die Bisexualität des Menschen hingewiesen. Zweifelsohne hat die Frauenbewegung – trotz Freuds Phallo-zentrismus – die Psychoanalyse für sich nutzen können, denn erst mithilf