You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Dieses Buch kann für sich geltend machen, was sich über Neuerscheinungen nicht immer sagen läßt: Es war nötig. Es hat gefehlt, weil es sich mit einer bisher von der psychoanalytischen Forschung weitgehend vernachlässigten Lebensphase, der Adoleszenz, befaßt. Und weil es die Besonderheit der weiblichen Adoleszenz akzentuiert. Denn ist schon die Adoleszenz insgesamt ein »Stiefkind« (A. Freud) der psychoanalytischen Theorie und Therapie geblieben, so liegt bisher keine Studie vor, die systematisch die weibliche Variante des Übergangs von der Kindheit zum Erwachsenensein zum Gegenstand hat. Vielmehr wird in vielen psychoanalytischen Studien ebenso wie in solchen der akademischen Psychologie oder der Jugendsoziologie immer noch unhinterfragt die männliche Entwicklung als normativer Bezugspunkt genommen. Damit werden implizit aber auch spezifisch weibliche Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten unter die Rubrik der Abweichungen subsumiert.
Ein Anliegen der vorliegenden Arbeiten über weibliche Adoleszenz ist es, den besonderen Entwicklungsgang weiblicher Identitätsbildung nicht länger unter der Perspektive des Mangels zu betrachten. Die Autorinnen tragen entscheidend dazu bei, die Komplexität des weiblichen Übergangs von der Kindheit zum Erwachsenensein differenziert zu entfalten. Denn wir müssen, »um Veränderungen zu denken, mehr darüber wissen, wie Mädchen die kreativen, narzißtischen, mutigen und lebenshungrigen Anteile ihres Selbst ausdrücken.« (S. 80) Mit dieser Zielrichtung werden insbesondere in den Beiträgen von Helga Haase, Vera King, Eva Poluda-Korte und Ruth Waldeck die Auseinandersetzung mit körperlichen Veränderungen in der Adoleszenz und die daran sich anschließende Ausformung der Sexualität untersucht. Ergänzend hierzu verdeutlicht Carol Hagemann-White, daß durch die Ausgestaltung dieses Aneignungsprozesses entscheidende Weichen gestellt werden, wie sich das frühkindliche Verhältnis zu den Eltern modifizieren läßt und auf welche Weise später eigene Liebe