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Bekanntlich hat sich Freud bei der Formulierung seiner Psychologie des Unbewußten stets auf die Sophokleische Version des Ödipusmythos bezogen. Der Autor weist detailliert nach, daß sich die Freudsche Lesart und die des attischen Tragödiendichters fundamental unterscheiden und daß Freuds Ödipus dem des Sophokles Gewalt antut. Während es Freud von den frühen Briefen an Fliess bis hin zum Mann Moses, so die gut belegte These Bollacks, allein darum gehe, die ubiquitäre Macht des Unbewußten (Inzestwunsch, Vatermord) innerhalb der »heiligen« (Klein-)Familie aufzudecken, habe der Dichter ein ganz anderes Problem bearbeitet. Bollack zufolge ist Oedipus rex das Drama der Selbstvernichtung einer königlichen Familie, in welchem Inzest und Mord keine tragende Bedeutung innehaben. Freud hingegen habe das generationsübergreifende Verhängnis der Königsfamilie entmystifiziert und als unbewußtes Geschehen naturalisiert - eine Tendenz, die nach Bollack in der Tradition des »Schicksalsdramas« steht, wie es das 19. Jahrhundert hervorgebracht hat.