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»Beobachtet man die Deutschen, wie sie geschäftig durch die Ruinen ihrer tausendjährigen Geschichte stolpern … und wie sie es einem verübeln, wenn man sie an die Schreckenstaten erinnert, welche die ganze übrige Welt nicht loslassen, dann begreift man, daß die Geschäftigkeit zu ihrer Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit geworden ist.«
Wenn es in den letzten 25 Jahren der alten Bundesrepublik einen still-schweigenden Konsens gab, dem sich, von bestimmten Ausnahmen abgesehen, alle gesellschaftlich relevanten Gruppen und politisch einflußreichen Strömungen verpflichtet fählten, dann war es der, daß alles getan werden müsse, daß die Vergangenheit sich nicht wiederholt, und dies am ehesten dadurch gewährleistet werde, wenn man sich dieser Vergangenheit mit ihren Millionen Dahingeschlachteter trauernd und erinnernd vergewissert. Fast konnte es so scheinen, als hätte die westdeutsche Gesellschaft - deren historisch bedingter konstitutionell defensiver Charakter im Räckblick einer ihrer sympathischsten Züge war - mit der psychoanalytischen Einsicht ernst gemacht, derzufolge die Virulenz der Vergangenheit um so gefährlicher bleiben muß, je weniger diese reflexiv eingeholt und bearbeitet wird. Daß, nach einem Wort von Adorno, Auschwitz sich nicht wiederhole, war gleichsam der kategorische Imperativ, der die alte Republik moralisch zusammenhielt. Daran vermochte auch die Tatsache nichts zu ändern, daß es auf der rechten Seite des politischen Spektrums immer wieder Stimmen und Stimmungen gab, die, nicht nur mit der abscheulichen Parole von der »Auschwitzläge«, auf Revisionen drangen.
Als im ideologischen Vorfeld der deutschen Vereinigung konservative Historiker wie Ernst Nolte, Andreas Hillgruber, Klaus Hildebrand und Michel Stärmer darangingen, die (Vor-)Geschichte des Nationalsozialismus neu zu schreiben und zu bewerten, wurde sichtbar, daß mit dem größer gewordenen zeitlichen Abstand zu dem organisierten Völkermord an den Juden auch die affektive Indi