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Die Aktualität der in der Unfähigkeit zu trauern 1967 gestellten Zeitdiagnose sieht die Autorin in den derzeitigen Gewaltausbrüchen bestätigt: Ähnlich wie nach Kriegsende über die von Nazi-Deutschland angerichteten Greuel Schweigen herrschte, Schuld und Scham verleugnet, die Erinnerung und Durcharbeitung von Trauer über Millionen fremder und eigener Kriegsopfer ausblieben, zeige die aktuelle, von einer schweigenden Mehrheit getragene Gewalt Jugendlicher gegenüber Ausländern, Asylsuchenden, Juden und Zigeunern dieselbe Schuld- und Schamverleugnung, dieselbe Unfähigkeit zu Mitgefühl in Arme und Schwache. Die gegen die Achtundsechziger-Generation gerichteten Anschuldigungen, für die Gewaltausbrüche der heutigen Jugend mitverantwortlich zu sein, sei nicht zutreffend. Vielmehr habe diese Generation das bis dahin auf der Nazi-Vergangenheit liegende Schweigen überhaupt erst gebrochen und so einen beginnenden Trauerprozeß ermöglicht. Eine zunehmende Sensibilisierung der deutschen Bevölkerung für die herrschende Unmenschlichkeit gegenüber Fremden und Elenden sei eine Chance, sich erneut mit der virulent gebliebenen Nazi-Mentalität zu konfrontieren und den notwendigen Trauerprozeß fortzusetzen. So könne auch den Gewalttätigkeiten entgegengewirkt werden. Der Ruf mancher Politiker, der Gewalt durch härtere Erziehung Einhalt zu gebieten, sei hingegen keine Lösung, sondern lediglich ein Rückschritt zu alten, autoritären Zwängen.