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Die großenteils zustimmende Resonanz, auf die Tilmann Mosers Kritik des Buches Die Unfähigkeit zu trauern (in Psyche 5/1992) gestoßen ist, legt den Verdacht nahe, daß Moser damit im Zentrum des »Zeitgeistes« angekommen ist - umgedeutet und revidiert werden soll, was vor 25 Jahren von den Mitscherlichs eingeklagt worden war: Anerkennung der eigenen Schuld und Einfühlung in die Opfer deutschen Vernichtungswillens. Während Moser die strikte Trennung von Therapie und Moral und Empathie für die »ins Verbrechen Verstrickten« fordert, zeigt Schneider, daß gerade die moralisch dekontextualisierte Psychotherapie/ Psychoanalyse für heteronome Zwecke dienstbar gemacht werden konnte und kann. Das große Verdienst Alexander Mitscherlichs sei es gewesen, nach den Verbrechen des Nationalsozialismus an Millionen von Menschen jenen moralischen Kontext wiederhergestellt zu haben, der essentiell zum Humanum psychoanalytischer Aufklärung zählt und ohne den Psychoanalyse zu einer gesellschafts- und politikfernen »Therapiemoral« verkäme, die Freud am meisten fürchtete.