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Louis Althusser - als Philosoph, als brillanter akademischer Lehrer und als unermüdlicher KP-Aktivist war er seinerzeit en vogue wie nur wenige, ein Abgott nicht nur der marxistischen Intellektuellen. Daß ihm das Tragische widerfuhr - und anders als ein Widerfahrnis läßt sich das Geschehene kaum bezeichnen -, seine Frau Hélène zu töten, hat ihn in die Schlagzeilen gebracht; zunächst unmittelbar nach der Tat, vor rund zwölf Jahren also, und jetzt wieder, da posthum seine Autobiographie erschienen ist. Zwei autobiographische Arbeiten, genaugenommen, in einem Band vereint; die frühere, von 1976, mit humorigen Obertönen und trotz des Titels (»Les faits«) eher spielerisch gemeint; die spätere (»L'avenir…«) erschütterndes Dokument der lebenslangen Uneigentlichkeit einer Existenz. Hinzu kommt der etwa zeitgleich erschienene erste Band der Biographie von Yann Moulier Boutang (1992 a).
Althusser war, und ist es zumindest durch sein Schicksal immer noch, ein Faszinosum. Seine Philosophie lag nicht nur im Trend der Zeit, sie prägte vielmehr eine Denkströmung, die ebenso mitreißend wie vergänglich war. Seine theoretischen Arbeiten, unerhört in der philosophischen Tagesaktualität der fünfziger, sechziger, vielleicht auch noch der siebziger Jahre, hat die Zeitgeschichte überholt. Der Philosoph, der politische Denker Althusser wurde, zumindest in Deutschland, ad acta gelegt, ohne je gründlich rezipiert worden zu sein. Die Renaissance seiner Ideen im philosophischen Diskurs ist nicht in Sicht; ja, das Scheitern des lange Zeit mit so großen Hoffnungen besetzten marxistischen Entwurfs in der politischen Praxis mag heute viele veranlassen, die brennenden Fragen der 68er-Generation von Philosophen und Politologen zu belächeln und einfach zur Tagesordnung überzugehen. Das könnte vorschnell sein; vielleicht stünde es doch dafür, den einen oder anderen Gedanken Althussers noch einmal, im Licht der seither stattgehabten geschichtlichen Entwicklung, nachzudenken. Vielleicht verdienten die