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Freud gilt allgemein als Erfinder der Fallgeschichte, obwohl es auch vor ihm ohne Zweifel Berichte und Geschichten über Patienten gab. Der französische Arzt Philippe Pinel (1745-1826) war der erste, der bei seinen Patienten mentale Störungen systematisch aufzeichnete und beschrieb. Von Pinel her leiten sich der Autorin zufolge zwei Traditionen ab, die zwei Diskurse generieren: den semiologischen, der sich am »Krankheitsbild« festmacht, und den narratologischen, der die »Lebensgeschichte« in den Mittelpunkt rückt. Während Jean-Martin Charcot (1825-1893) und Emil Kraepelin (1856-1925) das Konstrukt des »Krankheitsbildes« favorisierten, um Geisteskrankheiten diagnostizieren und klassifizieren zu können, bemühten sich Adolf Meyer (1866-1950) und Freud um die Rekonstruktion der »Lebensgeschichte« ihrer Patienten. Was Meyer aber versagt blieb - die Herstellung der Verbindung zwischen Erzählung und pathologischem Zeichen -, gelang schließlich Freud: Mit der Krankengeschichte der Elisabeth von R. (1895) schrieb er die erste psychoanalytische Fallgeschichte, die den Zusammenhang von Erzählung und Symptom erfaßt.