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Die Konzeption von Eros und Todestrieb, von Freud 1920 in seiner dritten und abschließenden Triebtheorie eingeführt, stieß von Anfang an auf großes Unverständnis - auch innerhalb der Psychoanalyse. Mit dieser Konzeption schien Freud den empirisch abgesicherten Boden der Biologie und klinischen Psychologie zugunsten metabiologischer und metapsychologischer Spekulationen verlassen zu haben. daß er sich gar zur Hypothese eines unausweichlichen Triebes zum Tode verstiegen hatte, ließ sich nach Meinung seiner Kritiker letztlich nur aus den persönlichen Erfahrungen eines alternden Mannes - dem Tod seiner Lieblingstochter Sophie, den Greueltaten des Ersten Weltkrieges, der Konfrontation mit den massiven Widerständen gegen die psychoanalytische Bewegung und möglicherweise der Vorausahnung seiner langwierigen Krebserkrankung - erklären.
Offenbar war jenen Kritikern, die voreilig auf psychologistische Erklärungsmuster zurückgegriffen hatten, verborgen geblieben, daß der Dualismus von Liebe und Haß, von Entstehen und Vergehen eine philosophische Problemstellung war, die aus der Denktradition der griechischen Antike stammte und im Zuge der anti-idealistischen Wende des 19. Jahrhunderts wiederaufgelebt war.
Diese inhaltliche Affinität zwischen antikem und modernem Denken sucht Ulrich Irion im ersten Teil seiner Arbeit aufzuzeigen. Schon hier wird eine wesentliche philosophiegeschichtliche Entwicklungslinie deutlich: Jener von Freud thematisierte Antagonismus hat seine Wurzeln im radikal diesseitig orientierten Denken der Vorsokratiker, insbesondere des Empedokles. Er war aber in der langen Vorherrschaft der Vernunftmetaphysik, angefangen bei Anaxagoras, Platon und Aristoteles, erst recht in der christliche Ära mit ihrer Aufwertung des Todes und Entwertung des Lebens (Sexual- und Leibfeindlichkeit) und auch noch in den Systemen des deutschen Idealismus in die Latenz geraten, bis er in den anti-idealistischen und antichristlichen Willensmetaphysiken Schopenhauers und Nietzsches und