You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In Verbindung mit der Konzeption der Zeitlichkeit und der psychischen Kausalität spielt der Begriff der Nachträglichkeit bei Freud eine erhebliche Rolle: Frühe Erfahrungen, Eindrücke, Erinnerungsspuren werden später aufgrund neuer Erfahrungen umgearbeitet und erhalten so nachträglich eine Bedeutung, die sie ursprünglich nicht hatten. Der Autorin geht es vor allem darum zu zeigen, daß eine sich solchermaßen strikt hermeneutisch verstehende Psychoanalyse, die die Vergangenheit aus der Gegenwart heraus mit einem Netz von Sinnzusammenhängen überzogen sieht, welche dem Patienten unmittelbar einleuchten, Freuds naturwissenschaftlichen Anspruch auf kausales Erklären verfehlt. Ereignisse in der Kindheit des Patienten sind die Ursache für das Bestreben, die Erinnerung an die wahre Verursachung zu verfälschen und ungeschehen zu machen. Typisch fürdie Neurose sei der faktische Sinnzusammenhang, der der Vergangenheit ebenso wie der Gegenwart übergestreift wird. Insgesamt begreift sich Kerz-Rühlings Arbeit als ein Plädoyer füreine stärker empirisch orientierte Psychoanalyse, die Empathie und Verstehen in der Gegenübertragung depotenziert und wieder Anschluß an die induktive Methode der Ursachenfeststellung gewinnt.