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Überlegungen zur künstlerischen Avantgarde zielen darauf ab, angeblich gesicherte Bestände der Tradition in neuen Bedeutungen zu sehen. Diese Sichtweise spielt auch in der Psychoanalyse eine wichtige Rolle, denn sie untersucht die Fähigkeit des Menschen, sich nachträglich zur Vergangenheit so zu verhalten, daß neue, eigene Traditionen geschaffen werden, um die Gegenwart umstrukturieren zu können. Erdheim vertritt die These, daß diese historische Fähigkeit des Menschen aus der Zweizeitigkeit seiner sexuellen Entwicklung erwächst und in der Adoleszenz zur Entfaltung kommt: »Die Adoleszenz ist die Avantgarde des Individuums«. Anhand dreier Elemente - der männlich-weiblichen Polarität, der Bedeutung von Aggression und Omnipotenz und dem Antagonismus zwischen Familie und Kultur - arbeitet der Autor diese sich in der Adoleszenz bildende vergangenheitsorientierte und gleichzeitig zukunftsbezogene Struktur heraus.