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Yerushalmi legt einen weiteren Beitrag zur Diskussion um Freuds Jüdischsein und um die jüdischen Wurzeln der Psychoanalyse vor. Die These seines Buches lautet: Unabhängig davon, ob die Psychoanalyse eine jüdische Wissenschaft sei oder nicht, war Freud der tiefen Überzeugung, daß sie es ist (S. 13, 146). Deshalb versuchte Freud die jüdischen Spuren, wo immer möglich, zu verwischen. Freud war aber - so die These - in jüdischen Angelegenheiten nicht ambivalent (S. 22), sondern letztlich eindeutig jüdisch. Zwar zeigte er aus historischen und biographischen Gründen - und weil er seinen Identitätskonflikt als jüdischer Intellektueller nicht lösen konnte - meist sein bekannt ambivalentes Verhältnis zum Judentum. Deswegen hat er auch versucht, die Psychoanalyse aus dem Ruch einer partikular-jüdischen Wissenschaft zu befreien (vgl. S. 141) und ihr den Anstrich einer aufgeklärten und universellen Wissenschaft zu geben. Diesen Versuchen entsprach seine Art, seine »öffentliche Person« und seine persönliche Überzeugung zu trennen (vgl. S. 68). Yerushalmi zeigt aber auch, wie Freud gegen Ende seines Lebens - und angesichts des immer schärfer werdenden nationalsozialistischen Antisemitismus - meinte, in seinem Mann Moses die Lösung seines »jüdischen Problems« erkannt zu haben. In Freuds Moses geht Yerushalmi der komplexen Entstehungsgeschichte dieses letzten Buches von Freud nach.
Das Resultat ist in meinen, den Augen eines jüdischen Analytikers ein höchst faszinierendes Buch: Yerushalmi legt uns eine »Fallgeschichte« vor, so spannend wie viele andere auch. Nur daß es sich bei diesem »Fall« um Herrn Professor Sigmund Freud und dessen jüdische Neurose handelt. Fesselnd, wie der Autor detektivisch widersprüchliche Spuren sichert, die Freud teilweise vielleicht zu verwischen, sicher aber zu verdecken wünschte. Oder - wie Yerushalmi fragt (S. 146): »tomer doch« - vielleicht auch nicht.
Es ist über vier Kapitel hinweg ein wissenschaftliches Buch, nach den Regeln der Historikerzunft gesch