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Nach nur zwei Jahren im Taschenbuch erhältlich ist diese materialreiche »Kulturgeschichte der Eßstörungen«, wie es im Untertitel heißt. Der auf dem Weg von der holländischen Veröffentlichung über die deutsche Hardcover-Übersetzung zum Taschenbuch immer weiter mit Materialien angereicherte Band bietet den auch international mit Abstand bestinformierten Überblick zwar nicht über die Geschichte aller Eßstörungen, aber doch über Formen und Fälle extremen Fastens.
Zeitgenössische Berichte werden exemplarisch nacherzählt und historische Tendenzen zusammengefaßt. Beginnend mit Kapiteln über religiös motiviertes und als Hexerei interpretiertes Fasten im Mittelalter, wird über die Säkularisierung des Fastens bis zum 19. Jahrhundert sowie über die um die Jahrhundertwende auftretenden Hungerkünstler berichtet. Medizinische Erklärungsmuster für die für möglich gehaltene monate- bis jahrelange Totalabstinenz passieren Revue. Erst die letzten vier der elf Kapitel des Buches sind der frühen französischen und britischen Literatur zur modernen Magersucht selbst gewidmet.
Spannend liest sich das Kapitel, in dem die Autoren die falschen Prioritätsansprüche Gulls für die Erstbeschreibung der modernen Magersucht gegenüber Lasègue entlarven, der sie erstmals ausführlich charakterisierte. Hielt er sie noch für ein spezielles Symptom der Hysterie, so tendierten spätere Psychiater immer mehr dazu, sie als monosymptomatisches Krankheitsbild von der Hysterie zu lösen. In früheren Ausgaben verzichteten die Autoren erklärtermaßen auf eine historische Betrachtung durch eine heutige diagnostische, psychologische Brille, um sich auf die je zeitgenössische Bedeutung des Hungerns zu konzentrieren; diese relativistische Sicht halten sie aber erfreulicherweise nicht bis zum Ende durch. Im letzten, für die deutsche Fassung geschriebenen Kapitel kommen