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Endlich, so möchte man geradezu aufatmen, endlich liegt mit dem Buch des Frankfurter Soziologen und Gruppenanalytikers Martin Dornes eine systematische, sehr anschauliche und gut lesbare Rezeption der modernen amerikanischen Säuglingsforschung im deutschen Sprachraum und zugleich eine einführende theoretische und klinische Diskussion über die Konsequenzen, die deren Forschungsergebnisse für die psychoanalytische Theorie und Praxis haben, vor. Denn bislang wurden die spannenden internationalen Neuerungen in der Psychoanalyse, sieht man von wenigen Ausnahmen ab, hierzulande kaum zur Kenntnis genommen. Dieses Defizit betrifft vor allem die Kooperation der Psychoanalyse mit ihren Nachbardisziplinen.
Im vorliegenden Band werden die Ergebnisse der empirischen Säuglings- und Kleinkindforschung ausführlich dargestellt und mit den Annahmen der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie verglichen. Nach den Worten des New Yorker Psychoanalytikers und Entwicklungspsychologen D. Stern handelt es sich um eine »Revolution in der Säuglingsforschung«, die unsere Sicht der ersten Lebensjahre des Menschen radikal verändern werde.
Wichtige psychoanalytische Theorieteile (wie z. B. der Wiederholungszwang) könnten durch die Einbeziehung der Untersuchungsbefunde der Säuglingsbeobachtung besser formuliert werden als bisher, andere, wie Mahlers Konzeptionen einer ubiquitären und symbiotischen Entwicklungsphase, müßten hingegen aufgegeben werden, weil ihnen die empirische Grundlage fehle. Als Kriterium der Wissenschaftlichkeit psychoanalytischer Hypothesen gelte für die Kleinkindforscher, die in der Tradition der amerikanischen Ich- und Selbstpsychologie stehen, ausschließlich die empirische Validierung nach dem Modell der gesetzbildend-nomothetischen Wissenschaften.
Unter dem Titel »Das rekonstruierte und das reale Kind« diskutiert Dornes einführend die methodischen Differenzen zwischen der Direktbeobachtung der Säuglingsforschung und der Psychoanalyse. Die rekonstruierend verfahrende psychoa