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»When a therapist engages in sex with a patient, he or she is engaging in potentially homocidial activity …«
»Vor einigen Jahren ging eine junge Frau, die Analytikerin werden wollte, dreimal in der Woche zu einem Psychoanalytiker. Weshalb findet sie ihn verführerischer als ihren Freund Bertrand? Welcher Art ist die Macht, die er über sie hat? Sie denkt an ihn. Sie denkt nur noch an ihn. Und er, dessen Metier es ist, diese Leidenschaft zurückzuweisen, nimmt sie an. Er agiert.
Er? Seine Frau, seine Kinder, seine Praxis - und jetzt auch noch eine reizvolle Geliebte und die Versuchung, der er nicht widerstehen kann, seine luziferische Macht über sie auszuüben.
Sie? Verliebt, verloren, immer hilfloser, je mehr ihr Verlangen nach Glück in dieser unmöglichen Partnerschaft zunichte gemacht wird. Sie, in ihrem Sein gebrochen, in die Irre geführt von demjenigen, der ihr helfen sollte, ihr Leben besser zu verstehen: ihr Psychoanalytiker. Eine agierte Übertragung mit tragischen Folgen: Die Wirklichkeit wird immer mehr verwischt; Unsicherheit und Depression breiten sich aus. Dann eine lange Genesungszeit bei einem anderen Analytiker, dem es gelingt, Anonyma zu helfen, ihr Ich wieder aufzubauen und wirklich sie selbst zu werden.«1
Um dem Sog des Todes zu entgehen, hat Anonyma versucht, ihr Leid zu äußern, es in Worten selbst zu erfassen, in die Hand zu bekommen und auch den anderen mitzuteilen. Diese literarischen Schöpfungen waren für sie als plaisir d'écriture, als créativité im Sinne Winnicotts, die einzigen Quellen eines »Lusterlebnisses«. Es entstanden in jener Zeit auf der Suche nach der verlorenen Persönlichkeit Anonyma: Verführung auf der Couch, 147 deutsche Gedichte Stimmen und 200 französische Gedichte.2