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Entgegen der Auffassung vieler Freud-Biographen, die einen idealisierenden Blick auf das Verhältnis von Amalia und Sigmund Freud werfen und dieses als entsprechend positiv charakterisieren, kommt Hardin nach Sichtung der Quellen und nach Auswertung eigener klinischer Erfahrungen zu dem Schluß, daß der Schöpfer der Psychoanalyse lebenslang eine wenig emotionale und stark auf Distanz bedachte Beziehung zu seiner Mutter unterhielt. Freuds in der Selbstanalyse eingeschlagener Weg »zurück zu den Müttern« führte ihn nicht zur leiblichen Mutter, sondern zu seiner Kinderfrau, die ihn in seinen frühen Lebensjahren umhegt hatte, ehe sie aus dem Hause Freud verstoßen wurde. Das Trauma dieser Trennung und die Konsequenz daraus - der Verlust des Zugangs zur eigenen Mutter - wurde der Erwachsene nie los: Als Amalia 1930 starb, blieb Sigmund dem Begräbnis fern und schickte seine Tochter Anna als Stellvertreterin, so wie Amalia einst den Sohn einer Stellvertreterin bzw. Ersatzmutter überlassen hatte - getreu dem Talionsprinzip, wonach die eine (Un)Tat durch die andere vergolten wird.