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Können geschichtswissenschaftlich seriöse Biographien heute noch bloße »Geschichts- bzw. Geschichtenerzählung« sein? Oder muß nicht die narrative Form durch eine andere ersetzt werden, die verstärkt psychologische und insbesondere psychoanalytische überlegungen einbezieht? Das erklärte Anliegen der vorliegenden Aufsatzsammlung ist es, die Entwicklung einer solchen »neuen historischen Biographie« voranzutreiben (S. 17).
Nun ist der Zusammenhang von Biographieforschung und Psychoanalyse so »neu« ja nicht. Nach eigenem Selbstverständnis ist die Psychoanalyse, als systematische Reflexion subjektiver Lebensgeschichte, von Anbeginn an immer auch Biographieforschung gewesen. Und die historische Forschung hat jene objektivistische Sichtweise längst wieder überwunden, nach der es »einen Punkt der Resignation« (S. 19) darstelle, bei der Erklärung historischer Entwicklungen auf einzelne Persönlichkeiten zu rekurrieren. Gleichwohl tut die Geschichtswissenschaft sich nach wie vor schwer mit ihrer hermeneutischen Nachbardisziplin. Ihre Vorbehalte gegenüber der Psychoanalyse beziehen sich auf den Stellenwert gesellschaftsstruktureller und sozialgeschichtlicher Bedingungen: psychoanalytische Ansätze und ihre Fixiertheit auf den Primat der frühen Kindheit erscheinen als überstrapazierte Psychologisierungen. Ein Defizit der historischen Ansätze ist hingegen, daß sie über keine Subjekttheorie verfügen. Dies führt zu der gleichfalls fragwürdig gewordenen Auffassung, derzufolge die Psyche nur ein »Gefäß« sei, das beliebige kulturelle »Einflüsse« (S. 196) in sich aufnehme.
Die Autorinnen und Autoren wenden sich gegen diese intradisziplinären Vereinseitigungen: Psychoanalytisches Wissen über innere Realitätsverarbeitungen auch in ihrer unbewußten Dimension sei für das Menschenbild der Geschichtswissenschaft unentbehrlich. Zugleich müsse aber die Psychoanalyse ihre Vernachlässigung gesellschaftlicher Verhältnisse überwinden, damit die einzelnen als »geschichtsmächtige Subjekte« (S. 19) verst