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Man würde dieses Buch mit seinem befremdlichen Titel vermutlich übersehen, wenn nicht das Auge am Namen der renommierten Herausgeber - allen voran Marianne Leuzinger-Bohleber, Professorin für Psychoanalyse an der Universität Kassel und hierzulande vor allem aufgrund ihrer Bücher zur psychoanalytischen Kurztherapie, psychoanalytischen Verlaufsforschung und Spätadoleszenz bekannt
geworden - hängenbleiben würde. Und weil das Auge nun schon einmal verweilt, auch den Untertitel erfaßt: Psychoanalyse im interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog.
Sollte es möglich sein, daß sich hierzulande Psychoanalytiker mit interdisziplinärer Forschung beschäftigen? Kann das überhaupt zusammengehen: Psychoanalyse und Forschungsdisziplinen, für die die Berücksichtigung unbewußter psychischer Vorgänge zumindest lange Zeit überhaupt kein Thema darstellte; die unter dem Banner eines methodologischen Positivismus nur am Sicht- und Meßbaren interessiert waren? Weiter drängt sich die Frage auf: Wozu brauchen wir überhaupt eine derartige Forschung in der Psychoanalyse? Genügt die Psychoanalyse nicht sich selbst und hat sie nicht in diesem Jahrhundert zu einem enormen Wissenszuwachs über das Menschliche geführt, auch wenn ihre Ergebnisse von anderen Wissenschaften kaum zur Kenntnis genommen worden sind und in den Medien seit längerem das wissenschaftliche überholtsein der Psychoanalyse diagnostiziert wird?
In den letzten Jahren mehren sich die mahnenden Stimmen vor allem amerikanischer Psychoanalytiker (so z. B. jüngst Holt, 1992), daß die Psychoanalyse sich in einer tiefen Krise befinde; insbesondere bedingt durch den Mangel an gehaltvollen Forschungsergebnissen, die angesichts vieler Problemstellungen und Fragen dringend benötigt würden; und damit zusammenhängend auch durch das nahezu vollständige Fehlen interdisziplinärer Forschungsergebnisse. Die derzeitige, auf manche Psychoanalytiker völlig übertrieben wirkende Euphorie über die Ergebnisse der Kleinkindforschung ist sicherlich ein Refl